Eine erhellende Reise durch den Begriffsdschungel der Nachhaltigkeit
Dieser Post und Podcast ist der Auftakt in eine neue Moneyküre Serie. Wir werden uns intensiv mit nachhaltigem Investieren beschäftigen und dir Tipps geben, wie du als bewusste Investorin Investments tätigen kannst, die deinen Werten entsprechen – sei es durch ETFs, Fonds, Gold oder Immobilien. Außerdem werden wir uns mit dem Thema Greenwashing auseinandersetzen, also den irreführenden Praktiken von Unternehmen, die sich nachhaltiger präsentieren, als sie tatsächlich sind. Wir werden dir Werkzeuge an die Hand geben, mit denen du solche Täuschungsmanöver leichter erkennen kannst.
Zunächst möchten wir jedoch Klarheit in den Begriffsdschungel der Nachhaltigkeit bringen. Denn wer sich mit den wichtigsten Begriffen und Abkürzungen auskennt, kann in Diskussionen rund um das Thema Finanzen kompetent mitreden.
Ein Rückblick und das heutige Verständnis von Nachhaltigkeit
Der Begriff „Nachhaltigkeit“ wurde erstmals im 18. Jahrhundert von Hans Carl von Carlowitz in Bezug auf die Forstwirtschaft geprägt. Er erklärte, dass nur so viel Holz entnommen werden darf, wie auch wieder nachwachsen kann, um Raubbau zu verhindern. Heute umfasst Nachhaltigkeit drei Dimensionen: Ökologie, Soziales und Ökonomie, die zusammen das Akronym ESG (Environment, Social, Governance) bilden. Diese Dimensionen stehen für ein Wirtschaften, das nicht nur der heutigen Generation, sondern auch zukünftigen Generationen faire Lebenschancen bietet.
Die drei Dimensionen von ESG
Environment (Umwelt): Diese Dimension bezieht sich auf ökologische Kriterien wie Energieerzeugung, Umweltmanagement, Luft- und Wasserverschmutzung, Wasserwirtschaft, intensive Landwirtschaft, Gentechnik, Biodiversität, Bergbau, Pestizide und Abfallmanagement.
Social (Soziales): Hier geht es um soziale und ethische Kriterien wie Arbeitsstandards, faire Entlohnung, Chancengleichheit, Diversität (DEI), Menschenrechte, Zugang zu medizinischer Versorgung sowie umstrittene Branchen wie Waffen, Tabak, Pornografie und Glücksspiel.
Governance (Unternehmensführung): Diese Dimension umfasst eine umsichtige Unternehmensführung, die nicht auf kurzfristige Gewinnmaximierung ausgerichtet ist. Sie beinhaltet Kriterien wie Korruptionsvermeidung, Unabhängigkeit von Aufsichtsorganen, Prozessqualität, interne Kontrollsysteme, Transparenz der Rechnungsprüfung und angemessene Vorstandsvergütungen.
Nachhaltige Kriterien und Investitionen
Die positiven Kriterien jeder Kategorie machen Unternehmen, Branchen oder Staaten nach ESG-Kriterien investierbar. Negative Kriterien führen hingegen zum Ausschluss, etwa wenn ein Unternehmen Kinderarbeit einsetzt oder in der Tabak- oder Rüstungsindustrie tätig ist. Diese Grenzen können jedoch verschwimmen, und es gibt immer wieder Skandale wie zum Beispiel beim berühmten Fall Wirecard, wo Regeln der ordnungsgemäßen Unternehmensführung missachtet wurden.
Die Einbeziehung von ESG-Kriterien bildet die Grundlage für nachhaltige Investments. Neben dem Ausschlussansatz gibt es auch den „Best-in-Class“-Ansatz, bei dem in Unternehmen investiert wird, die in ihrem Umfeld führend im Hinblick auf ESG-Aspekte sind. Ein weiterer Ansatz ist „Engagement und Voting“, bei dem Investorinnen ihre Aktionär*innnenrechte wahrnehmen, um faires und transparentes Verhalten sicherzustellen.
Die höchste Stufe des nachhaltigen Investierens ist das „Impact Investing“, bei dem neben einer finanziellen Rendite auch explizit eine soziale und ökologische Wirkung erzielt werden muss. Produkte, die den SRI-Kriterien (Socially Responsible Investing) entsprechen, unterliegen besonders strengen Nachhaltigkeitsstandards.
EU-Taxonomie und Offenlegungsverordnung
Um dir Sicherheit bei der Auswahl von ETFs oder Fonds zu geben, kommt die EU-Taxonomie ins Spiel, das erste einheitliche Regelwerk der EU, das festlegt, was als nachhaltige Investition gilt. Für die Finanzindustrie gelten die PRI (Principles of Responsible Investing), die vorsehen, dass ESG-Kriterien in Finanzanalysen und Entscheidungsprozesse einbezogen werden.
Seit etwa drei Jahren gilt auch die Offenlegungsverordnung (SFDR), die Finanzprodukte in drei Kategorien einteilt:
Kategorie 6: Produkte, die ESG-Kriterien berücksichtigen, jedoch nur schwach integriert sind.
Kategorie 8: Produkte, die ESG-Kriterien verbindlich in ihrem Auswahlprozess berücksichtigen.
Kategorie 9: Produkte, die neben den Kriterien der Kategorie 8 ein klar definiertes Anlageziel und messbare soziale und ökologische Auswirkungen verfolgen (Impact Investing).
Mit diesem Wissen bist du gut gerüstet, um den Begriffsdschungel der Nachhaltigkeit zu verstehen und Investmententscheidungen zu treffen, die sowohl deinen finanziellen Zielen als auch deinen ethischen Werten entsprechen. Wir freuen uns darauf, dich auf dieser Reise zu begleiten und dir in den nächsten Folgen und Posts noch tiefere Einblicke in die Welt des nachhaltigen Investierens zu geben. Bleib dran und viel Spaß beim nachhaltigen Investieren!
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